Sie nannten ihn Gulatsch

"Deine Feigen, gerade sind gezählt", zischte der Barkeeper über den Tresen und reichte den süßgequatschten Frischgepressten zur Seite. "Tanks homie, dis one's on me!", kam kautabakkauend aus dem Schatten des tief in das Stirnband gezogenen Hutes zurück.

Nicht alle Tage kam ein Fremder, und noch weniger, wie es schien, einer der schnellsten Tabakspucker diesseits des Panna Grotto, in die lausige Kneipe "Zu Lasten seiner Majestät". Um sieben war wieder Füßchenshow, und heppedihopp, hoch die Beinchen: Geöhltes Gröhlen um 138 db machte Laune auf mehr und versetzte einen Satz taube Ohren. Schergen bringen Glück. "Taubenschiß!", dachte sich Gulatsch und zog die Mundwinkel an, "wieder einer gegen die Fassade." Er hasste es, wenn Peitschenhiebe schuppige Augenbrauen ankündeten. Wochenlang Trockenes geduscht, borstige Kehlen, kantige Stirnrunzeln, aus denen nach jeder ruckartigen Kopfbewegung körnchenweise Sand in den Whiskey bröselte.

"Ya know homie, we compadres have a sayin, now you listen to me, we say _una chica loco brings ya gozo poco_. Ya know what I mean?" Er hasste es auch, wenn Fremde dieses lungenkarzinöse Lachröcheln auflegten und die Pointe auf die verstaubten Holzdielen rotzten. "Ich weiss, was du meinst, Mann", drückte er hervor und legte ein erzwungenes Grinsen auf.

"Ah, I see, ya don't like me, homie?" Der Fremde straffte sich die Hosengurte und zog die Luft an. "Well..." Gulatsch spannte den Nacken. "I don't like me as smell!", prustete der Fremde und packte erneut eine konsistente Ladung auf den Boden, nachdem er sie johlend aus dem tiefsten Lungenflügel herausgekitzelt hatte. Hier und da fiel vereinzeltes Gelächter ein.

"Ojos que no ven, corazón que no siente. I'm only a man on his way, homie", sagte der Fremde und stand auf. "Take care." Er fasste sich an den Hut und drehte sich um. Mit langen Schritten zur Türe schreitend, verließ er den Saloon und warf noch ein "Luego te veo" über die Schulter.

Gulatsch wurde plötzlich heiß und Stirn rann ihm vom Schweiß.

2 thoughts on “Sie nannten ihn Gulatsch

  1. diese kleine anekdote erinnert mich an die zeit, als ich im anorak durch die gulatsch-kantone der schweiß sich mir abklapperte. ein gekläff war das damals. und insbesondere an den tag fühl ich mich zurück entsetzt, da mir auf dealen der füßchentod stand. ich nahm die selben in die hand und vollbrachte jonglage im angesicht des jähen endes. doch alles wendete sich zum gurten, in dem moment der ankunft wilder drohnen, die ihr gesummse nicht für sicher behalten wollten.

    so long, old fella!

  2. Samsalabim, der aladin hat sichs genau angeguckt, inspiziert von allen seiten sozusagen. dann hat er den spucknapf in die tränke getunkt. das gab natürlich ein großes gewiehere, peng peng, ihr wißt ja wies in chinatown abgeht. und dann gabs noch nen rosenkranz von dem pater mit den dicken knien, zwei zoll im durchmesser entzückend. also von mir aus soll da nichts gegensprechen, es sei denn von der langen sicht stimmt die knete nicht. das alte bimsgestein von tierhofswärter, da denk ich gleich an alabama und sein geschwader, im rucksack all das zeug und dann auch noch durch die lappen gegangen. läßt sich alles kalk.

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